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Aktuell

21/08/2017

70 Jahre JU Schwaben - Im Gespräch mit Dr. Alfred Böswald

Donauwörth. Anlässlich ihres 70. Jubiläums in diesem Jahr blickt die Junge Union (JU) Schwaben auf ihre bewegte Geschichte zurück. Hierbei führt sie Zeitzeugengespräche mit ihren ehemaligen Bezirksvorsitzenden. Den Beginn machten die stellvertretenden Bezirksvorsitzenden Joachim Fackler (Donau-Ries) und Ludwig Lenzgeiger (Augsburg-Land) mit dem Altoberbürgermeister der Stadt Donauwörth, Dr. Alfred Böswald (Bezirksvorsitzender von 1963-1967). Dieser ist zugleich der älteste ehemalige Landesvorsitzende der JU Bayern (1967-1971). Mit ihm haben die JUler darüber gesprochen, was Themen zu seiner Zeit waren und was er „seiner JU“ für die Zukunft mit auf den Weg geben möchte.

„Wer seinen Geburtstag feiert, der schaut nicht nur auf das, was noch bevorsteht, sondern er auch blickt auf das zurück, was er erreicht hat“, so Joachim Fackler, stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union Schwaben. In diesem Sinne handelt die JU Schwaben, die am 1. September in Lindau ihren 70. Geburtstag mit Ministerpräsidenten a.D. Dr. Edmund Stoiber begeht und sich dabei auch auf eine Zeitreise in die eigene Geschichte begibt. Und wer kann besser über die Vergangenheit berichten als die Personen, die damals die verantwortlichen Gesichter der JU Schwaben waren.

Einer davon ist Dr. Alfred Böswald, der Bezirksvorsitzender der Jungen Union Schwaben von 1963 bis 1967 war, ehe er Landesvorsitzender der Jungen Union Bayern wurde und bis 1971 geblieben ist. Später war er als einziger Landesvorsitzender der JU Bayern nach seiner Entscheidung entgegen dem Willen des CSU-Landesvorsitzenden Franz-Josef Strauß auf kommunaler Ebene hauptamtlicher Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Donauwörth bis 2002. Böswald ist damit nicht nur Teil der Geschichte, sondern auch aktiver Gestalter seiner Heimat.

Der Donauwörther Joachim Fackler hat den Kontakt zu Dr. Alfred Böswald hergestellt, um sich zusammen mit dem stellvertretenden JU-Bezirksvorsitzenden und Kreisvorsitzenden der JU Augsburg-Land, Ludwig Lenzgeiger, zu diesem besonderen Zeitzeugeninterview zu treffen. „Die historische Aufarbeitung soll der Nachwelt erhalten bleiben und uns unserer bewegten Geschichte bewusst werden, um daraus Ideen und Energien für die Zukunft gewinnen zu können“, konstatierte Fackler. Ludwig Lenzgeiger ergänzt hierzu: „Nur wer weiß, wo man herkommt, weiß auch, wohin man will.“

Böswald zitierte anfangs den aus Donauwörth kommenden Zeitgenossen Martin Luthers, den tiefsinnigen Denker Sebastian Franck (1499-1543), der als historische Maxime herausgestellt hatte, „dass das einzig Bleibende der Wandel ist“. Und Franck habe zeitlos Recht: Nicht zuletzt in der Politik und ihren Herausforderungen. Was gestern die Schlagzeilen beherrschte, ist heute oft uninteressant; was gestern noch unvorstellbar war, ist heute Realität.

Geschichte, so Böswald weiter, „darf deshalb nicht heißen, dass der Unverstand unsterblich wiederkehrt und triumphiert“. Da sei und bleibe die Junge Union gefragt: „Ihren Grundsätzen verpflichtet, alles zu prüfen und was gut ist, mit Kraft durchzusetzen, das demütige Dienen und Selbstvertrauen am Menschenbild fundierter Weltanschauung zu praktizieren und engagierte Mitverantwortung zu beweisen“, mahnte Böswald für die Zukunft an.

Nur ein Beispiel für viele mögliche: „In meiner Zeit als Landesvorsitzender stemmte sich eine Art außerparlamentarischer Opposition gegen demokratische Spielregeln und das ihrer Meinung nach „verfilzte Establishment“. Wir haben uns mit Erfolg für Fortschritt durch Ordnung dagegen gestemmt“, hielt Böswald im Hinblick auf die 68er Generation selbstbewusst fest.

„Heute sehen viele Europa am Scheideweg, von Migranten überflutet, bewährte Leitkultur zerbrechen, egozentrischen Abschied von Gemeinschaft, von Wertedenken und religiöser Weltanschauung, in der Suche nach Macht, Geld und Spaß. Kein Zweifel: Wieder einmal ist der Wandel das Bleibende“, resümierte Böswald.

Aus Erfahrung wünscht sich Dr. Alfred Böswald, dass es der Jungen Union erneut gelingt, die Vergangenheit nicht zu vergessen, sich der Gegenwart bewusst zu stellen und so recht verstandene Zukunft zu gewinnen: „Treu und beharrlich!“, diese Maxime gibt der Donauwörther „seiner JU“ mit auf den Weg.

Daneben schilderte Böswald auch interessante Begegnungen wie beispielweise mit CSU-Übervater und ehemaligem Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß oder den früheren Bundesfinanzminister und CSU-Ehrenvorsitzenden Theo Waigel. Den Ministerpräsidenten Dr. Alfons Goppel feiert er ala väterlichen Freund, dem heutigen Ministerpräsidenten Horst Seehofer unterschrieb er den JU-Mitgliedsausweis.

Dass sich Böswald heute noch immer für Politik und „seine Stadt“ interessiert, zeigt die aktuelle Diskussion rund um die Strahlkraft des Donauwörther Tanzhauses mit dem integrierten Stadtsaal. Im Bombenhagel 1945 zerstört und mühsam bis 1975 wiederaufgebaut und mit Leben gefüllt, steht das Tanzhaus mit seiner bewegten Geschichte in einer der schönsten Straßen Süddeutschlands.

Alfred Böswald war immer ein politischer Mensch und trotz seines mittlerweile hohen Alters ist er das geblieben. Er könne nun mal nicht aus seiner Haut heraus, so der ehemalige Oberbürgermeister. Vielleicht könne man durchaus sagen, in diesem Sinne sei er trotz des altersbedingten Abschieds vor rund 50 Jahren bis heute ein aktiver JUler geblieben.