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Aktuell

24/08/2017

70 Jahre JU Schwaben - Im Gespräch mit Prof. Hans-Peter Niedermeier

München. Im Jahr 2017 kann die Junge Union Schwaben ihren 70. Geburtstag begehen. Anlässlich dieses Jubiläums blickt die JU auf ihre bewegte Geschichte zurück. Hierzu führt sie Interviews mit ihren ehemaligen Bezirksvorsitzenden. Diesmal wurde Prof. Hans-Peter Niedermeier, Leiter der Begabtenförderung der Hanns-Seidel-Stiftung, zum Gespräch gebeten. Prof. Niedermeier war von 1987 bis 1990 Bezirksvorsitzender.

Lieber Prof. Niedermeier, wann, warum und wie kamen Sie damals zur Jungen Union?

Mein Beitritt zur JU war im Jahre 1972. Meines Erachtens war es damals wie heute wichtig, die Politikentwürfe der jungen Generation verstärkt in die CSU einzubringen und damit für einen gut laufenden Motor im Fahrzeug der Mutterpartei zu sorgen.

Besonders in der Ostpolitik war es aus meiner Sicht nötig, nicht nur rückwärts zu blicken, sondern die Politik zukunftsorientiert zu gestalten.

Was war damals gesellschaftlich und politisch anders als heute?

In den 70er-Jahren war die Gesellschaft viel stärker politisiert. Dies ging in der Schule los und endete in den Betrieben. An meiner Schule in Lindau gab es beispielsweise nicht nur die (40-köpfige!) Schüler-Union, sondern auch die Juso-AG und die DKP-nahe Liga gegen Imperialismus.

Derzeit ist es schwierig, junge Leute zu einem dauerhaften Engagement zu bewegen, das über die Teilnahme an einer Protestaktion hinausgeht. Ich verstehe, dass dadurch die Arbeit der JU nicht einfacher geworden ist.

Was hat die JU Schwaben und die JU Bayern zu Ihrer Zeit als Vorsitzender bewegt?

Die JU-Schwaben und die JU-Bayern waren in der Zeit, in der ich stellvertretender JU-Landesvorsitzender und später JU-Bezirksvorsitzender war, stets darum bemüht, die Konflikte, die es innerhalb der Union gab, nicht auch noch zum Spaltpilz in der JU-Deutschland werden zu lassen.

Dem Vernehmen nach war dies auch ein wesentlicher Grund, weshalb mich der JU-Landesvorsitzende Alfred Sauter und der JU-Bundesvorsitzende Christoph Böhr gebeten haben, Chefredakteur der „Entscheidung“ zu werden.

In diesem Zusammenhang möchte ich aber auf Dr. Theo Waigel hinweisen, der nicht nur mein politisches Vorbild war und ist, sondern in dieser Zeit die wichtigste Person im politischen Kräftemessen zwischen Helmut Kohl und Franz-Josef Strauß war. Ihm ist es gelungen, die beiden aufeinander zufahrenden politischen Lokomotiven so abzubremsen, dass es zu keinem dramatischen Aufprall gekommen ist. Ein solcher Aufprall hätte vielleicht das Ende der Union bedeutet. Diese Leistung von Theo Waigel war beeindruckend und ist immer noch bewundernswert.

An Sie als erfahrenen JUlern, eine Frage, die die JU in Zeiten vermeintlicher Politikverdrossenheit besonders bewegt. Wie konnten Sie damals junge Menschen für Politik begeistern?

Die jungen Menschen waren damals noch aufnahmebereiter, wenn man mit ihnen über politische Ereignisse oder gesellschaftliche Entwicklungen diskutieren wollte, obwohl auch bereits zum Ende meiner JU-Zeit in der bundesdeutschen Jugend der „Rückzug ins Private“ festzustellen war.

Was ist Ihre Meinung, wie muss Politik sein, wenn sie sich für die Jugend einsetzen möchte?

Politik muss glaubwürdig sein und den Jugendlichen muss das Gefühl vermittelt werden, dass sie direkt etwas bewegen können, wenn sie sich in der JU und der CSU engagieren.

Was waren Ihre prägendsten Erlebnisse bei der JU?

Prägend waren für mich am Ende meiner JU-Zeit der Fall der Mauer und das Kennenlernen von vielen jungen Menschen aus der ehemaligen DDR.

Was können wir heute von damals lernen?

Es war damals wichtig und ist heute gleichermaßen bedeutend, dass die JU-Schwaben stets geschlossen und einig nach außen auftritt; nur geschlossen sind wir stark!

Wieso sollten junge Menschen heute zur JU?

Junge Leute sollten heute zur JU kommen, weil sie dort die Möglichkeit zum politischen Mitwirken bekommen; vor allem in der Kommunalpolitik, der Politik vor der Haustür.

Was bedeutet Ihnen die JU im Blick auf Ihr politisches und persönliches Leben?

Die Junge Union bedeutet mir immer noch sehr viel. Ich bezeichne mich als „lebenslangen JUler“ und kann mit denen nicht viel anfangen, die zu den eigenen JU-Zeiten immer die Solidarität der JUler eingefordert haben, später aber, aus der Jungen Union bereits altersbedingt ausgeschieden, die nachkommenden JUler nur noch als Konkurrenten ansehen.

Was möchten Sie Ihrer JU mit auf den Weg geben?

Die JU soll weiterhin mutig ihren Weg gehen und ihre Rolle als Antreiber und verlässlicher Motor beibehalten. Ihre Vertreter sollen auf allen Politikebenen Zivilcourage zeigen und Rückgrat beweisen; denn Menschen ohne Rückgrat haben wir schon zu viel in unserer Gesellschaft.

Getreu nach dem französischen Sprichwort: „Wenn das Böse die Dreistigkeit hat, dann muss das Gute den Mut und die Zivilcourage besitzen.“

Herr Prof. Niedermeier, vielen lieben Dank.

(Ludwig Lenzgeiger)