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Aktuell

27/08/2017

70 Jahre JU Schwaben - Im Gespräch mit Markus Ferber, MdEP und Bezirksvorsitzender der CSU Schwaben

Augsburg. Im Jahr 2017 kann die Junge Union Schwaben ihren 70. Geburtstag begehen. Anlässlich dieses Jubiläums blickt die JU auf ihre bewegte Geschichte zurück. Hierzu führt sie Interviews mit ihren ehemaligen Bezirksvorsitzenden. Diesmal wurde Markus Ferber, Abgeordneter im Europäischen Parlament und Bezirksvorsitzender der schwäbischen CSU, zum Gespräch gebeten. Markus Ferber war von 1990 bis 1994 Bezirksvorsitzender.

Lieber Herr Ferber, wann und wie kamen Sie damals zur Jungen Union?

Während meiner Schulzeit war ich Chefredakteur der Schülerzeitung an meiner Schule. Im Jahr 1982 hatte die Schüler Union alle Schülerzeitungen angeschrieben und zu einem Gespräch eingeladen. Ich war der Einzige, der diese Einladung angenommen hat. So stellte sich ein erster Kontakt zur Schüler Union her. Dort lernte ich lauter junge Menschen kennen, die sich politisch engagierten, auch in der Jungen Union. Und ich wurde dann auch Mitglied der Jungen Union.

Wieso haben Sie sich dann entschieden zur JU zu gehen und sich zu engagieren?

Für mich war es immer schon spannend mich mit politischen Fragen auseinanderzusetzen. Schon in der 10. Klasse im Sozialkundeunterricht war ich der, der seine Klassenkameraden mit politischen Informationen versorgte. Meine Oberstufenzeit war eine sehr politische Zeit, in der auch in der Schule viel über Politik diskutiert wurde. Sowohl als Opposition zu meinen Lehrern, als auch ein Freundeskreis, der eher der CSU nahe stand, waren Gründe mich in der Jungen Union zu engagieren.

Was war damals gesellschaftlich und politisch anders als heute?

Die frühen 80er Jahre waren sehr politisiert. Auf der einen Seite war es die Zeit in der viele Friedensdemonstrationen stattgefunden haben, um gegen den Nato-Doppelbeschluss zu demonstrieren. Es war die Zeit in der die Grünen den Einzug in die Parlamente schafften und es war die Zeit der Wende von Helmut Schmid zu Helmut Kohl. Diese Zeit hat mich sehr geprägt.

Was hat die JU Schwaben zu Ihrer Zeit als Vorsitzender bewegt?

Ich war Bezirksvorsitzender der Jungen Union Schwaben von 1990-1994. Selbstverständlich war die Wiedervereinigung Deutschlands ein ganz zentrales Thema für unsere Arbeit in der Jungen Union. Konkrete Hilfe leisteten wir Richtung der neuen Länder indem wir Büromaterialen und Büromaschinen sammelten und nach Ostdeutschland transportierten. Wir führten viele Gespräche mit Politikern in den neuen Bundesländern und versuchten so einen Beitrag für die Wiedervereinigung zu leisten. Innenpolitisch waren natürlich auch die bewegten Jahre auf europäischer Ebene zu sehen. Gerade das Thema Europa hat in dieser Zeit eine große Rolle gespielt.

An Sie als erfahrenen JUlern, eine Frage, die die JU in Zeiten vermeintlicher Politikverdrossenheit besonders bewegt. Wie konnten Sie damals junge Menschen für Politik begeistern?

Wir versuchten globale Themen herunter zu brechen für die Diskussion vor Ort. Mir war es immer wichtig, dass wir den politischen Diskurs in der Jungen Union führen und uns mit politischen Themen beschäftigen. Davon gab es und gibt es heute genügend. Darüber hinaus war es mir ein Anliegen mit einem umfangreichen Schulungsprogramm die Schlagkraft der Jungen Union in Schwaben deutlich zu verbessern. Junge Menschen für Politik zu begeistern gelang am besten in der Vorbereitung von Wahlkämpfen. Und gerade das Wahljahr 1994, wo in kurzer Zeit Europawahl, Landtagswahl und Bundestagswahl waren, konnte intensiv für die Gewinnung neuer Mitglieder genutzt werden.

Was ist Ihre Meinung, wie muss Politik sein, wenn sie sich für die Jugend einsetzen möchte?

Ich denke die Jugend will keine eigene Jugendpolitik, sondern Partizipation im politischen Entscheidungsprozess. Deswegen sollten immer bei allen Themen darüber nachgedacht werden, welche Auswirkungen ein bestimmtes Politikfeld für die junge Generation hat. Ich glaube das ist der beste Einsatz für die Jugend.

Was waren Ihre prägendsten Erlebnisse bei der JU?

Für mich war die Freundschaft und Kameradschaft prägend. Ich habe allerdings auch sehr starke Auseinandersetzungen erleben müssen. Dabei aber feststellen zu können, dass man Unterstützer und Unterstützung hat, hat mir immer wieder sehr geholfen. Dass zum Teil diese Freundschaften bis heute noch tragen, spricht für die Arbeit in der Jungen Union.

Was können wir heute von damals lernen?

Ich glaube nicht, dass aus der Vergangenheit für die politische Arbeit zu viel gelernt werden kann. Jede Zeit hat ihre Themen, jede Zeit hat ihre Methoden, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und jede Zeit hat ihre Kommunikationswege. Hier hat sich in den letzten 20 Jahren sehr viel verändert, weswegen ein Vergleich sehr schwierig ist.

Wieso sollten junge Menschen heute zur JU?

Junge Menschen sollten sich grundsätzlich mit politischen Fragen auseinandersetzen. Gerade das Wahlverhalten der jungen Generation im Vereinigten Königreich, sowohl beim Referendum, als auch bei den Unterhauswahlen hat gezeigt, was es bedeutet, sich nicht zu engagieren oder sich zu engagieren. Ansonsten wären diese Wahlergebnisse nicht zu erklären. Wenn es darum geht, Zukunft zu gestalten, sollte sich die junge Generation immer mit einbringen und nicht darauf vertrauen, dass die Älteren im Interesse der Jungen entscheiden.

Was bedeutet Ihnen die JU im Blick auf Ihr politisches und persönliches Leben?

Selbstverständlich habe ich meine ersten politischen Gehversuche in der Jungen Union gemacht. Dabei konnte ich vieles lernen, auch viele Fehler zu vermeiden. Deshalb möchte ich die Zeit bei der Jungen Union nicht missen. Dass ich am Ende hauptamtlicher Politiker geworden bin, hat sicherlich auch seine Wurzeln in meiner Tätigkeit bei der Jungen Union. Und was mich besonders freut ist, dass viele Netzwerke die damals gelegt wurden, heute noch selbstverständlich tragen.

Was möchten Sie Ihrer JU mit auf den Weg geben?

Ich kann die Junge Union nur ermuntern immer wieder dann lästig zu sein, wenn es notwendig ist die Interessen der jungen Generation zu vertreten. Wir haben uns damals als Stachel im Fleisch der CSU verstanden, was bei den Altvorderen nicht besonders gut ankam. Dennoch konnten wir an vielen Stellen inhaltliche Positionierungen erreichen, die von der Jungen Union geprägt waren. Das sollte auch in Zukunft so sein.

Herr Ferber, vielen lieben Dank.

(Ludwig Lenzgeiger)