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Aktuell

31/08/2017

70 Jahre JU Schwaben - Im Gespräch mit Landrat Thorsten Freudenberger

Vöhringen. Im Jahr 2017 kann die Junge Union Schwaben ihren 70. Geburtstag begehen. Anlässlich dieses Jubiläums blickt die JU auf ihre bewegte Geschichte zurück. Hierzu führt sie Interviews mit ihren ehemaligen Bezirksvorsitzenden. Diesmal wurde Thorsten Freudenberger, Landrat des Landkreises Neu-Ulm, zum Gespräch gebeten. Thorsten Freudenberger war von 2005 bis 2009 Bezirksvorsitzender.

Lieber Herr Landrat Freudenberger, wann und wie kamen Sie damals zur Jungen Union?

Im Gymnasium war ich Klassensprecher und später auch Schülersprecher. Irgendwann damals kam dann das politische Interesse. Ich habe einen JUler angesprochen, der mich zu einer Ortsvorstandssitzung in Vöhringen mitgenommen hat. Im Oktober 1991 wurde ich Ortsvorsitzender.

Wieso haben Sie sich bei der JU engagiert?

Es gab ja noch kein Internet, so habe ich mir tatsächlich sehr altmodisch von allen politischen Jugendorganisationen Infos per Post schicken lassen. Die JU hat mich gleich angesprochen und stand meinen Grundüberzeugungen am nächsten. Außerdem hatte sie – wie heute auch – den coolsten Auftritt.

Was war damals gesellschaftlich und politisch anders als heute?

Einiges! Rückblickend ist im nichtdigitalen Zeitalter vieles beschwerlicher und langsamer abgelaufen – alleine wenn man an die Kommunikation denkt. Der Schriftverkehr und der direkte Austausch gehen jetzt natürlich viel leichter. Andererseits erleben wir heute eine Beschleunigung aller Lebensbereiche, die ich sehr kritisch hinterfrage. Wir müssen aufpassen, dass wir neben all den hektischen und nervösen Kurznachrichten und Kurzstatements noch genügend Zeit zum Nachdenken und zur politischen Diskussion finden.

Um in die 90er-Jahre zurückzukehren: Selbstverständlich war damals nicht alles besser! Die lang ersehnte Deutsche Einheit wurde nach der Euphorie der Anfangszeit zu einer Jahrhundertaufgabe. Für die Anfänge des digitalen Zeitalters setzte die JU wichtige Impulse. Klar wurde auch, dass wir in einem globalen Wettbewerb stehen, der uns fordert, und dass Generationengerechtigkeit sowie Umweltthemen immer wichtiger werden.

Was hat die JU Schwaben und die JU Bayern zu Ihrer Zeit als Vorsitzender bewegt?

Wir sind – wie sich das für die JU gehört – für eine Verjüngung der CSU eingetreten. Während wir im Bereich von Bundestag und Landtag damals keinen Erfolg hatten, haben wir bei den Kommunalwahlen 2008 überdurchschnittlich viele Mandate geholt, darunter auch mehrere Bürgermeisterposten. Thematisch ging es beispielsweise um die faire und generationengerechte Gestaltung der Sozialsysteme oder um Bildungsthemen. Anträge haben wir auch gestellt, zum Beispiel für ausgeglichene Haushalte auf allen politischen Ebenen oder für eine Begrenzung der Amtszeit des Ministerpräsidenten auf 15 Jahre. Ein 2008 verabschiedetes Schwabenprogramm der CSU trug erkennbar die Handschrift der Jungen Union. Es machte Schluss mit der schwäbischen „Jammerei“ und beinhaltete konkrete Forderungen und Perspektiven für die schwäbische Zukunft. Viele von denen sind heute Realität!

Was hat die JU Bayern in Ihrer Zeit als Schwaben-Chef bewegt?

Wie in Schwaben auch Bildung, Haushaltsdisziplin und Generationengerechtigkeit. Ich erinnere mich an die spannende und intensive Mitarbeit in der Grundsatzkommission. Die CSU war zeitweise keine moderne und innovative Volkspartei mehr und wollte sich auf ihren Erfolgen ausruhen, was im Jahr 2008 besonders schmerzlich deutlich wurde. Nach der Wahlniederlage damals bei der Landtagswahl war es die JU, die auf eine personelle und inhaltliche Neuorientierung der CSU gedrängt hat. Die CSU war zu träge und erfolgsverwöhnt geworden und hatte auch verlernt, die Menschen mit ihren Themen und Anliegen ernst zu nehmen. Die JU hat dafür gesorgt, dass die CSU heute wieder „näher am Menschen“ ist!

An Sie als erfahrenen JUlern, eine Frage, die die JU in Zeiten vermeintlicher Politikverdrossenheit besonders bewegt. Wie konnten Sie damals junge Menschen für Politik begeistern?

Es sind die persönlichen Kontakte, die zählen. Wir waren eine tolle Gemeinschaft. Moderne Veranstaltungen zu Themen, die junge Menschen bewegen, kamen hinzu. Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass leider auch die JU damit zu kämpfen hatte und zu kämpfen hat, dass sich weniger junge Leute für Politik begeistern lassen. Umso mehr müssen wir uns anstrengen!

Was ist Ihre Meinung, wie muss Politik sein, wenn sie sich für die Jugend einsetzen möchte?

Ich denke nicht, dass gute Politik für junge Menschen sich unbedingt nur auf „junge“ Themen fokussieren muss. Das auch, viel wichtiger ist, dass gute Inhalte und Ideen von überzeugenden, authentischen Persönlichkeiten vermittelt werden. Die Vermittlung sollte dabei ebenso traditionell wie modern sein: Bierzeltveranstaltungen und Facebook-Partys schließen sich nicht aus!

Was waren Ihre prägendsten Erlebnisse bei der JU?

Die Kontakte und Freundschaften, die in vielen Fällen bis heute bestehen. Die sind persönlich bereichernd und für meine Arbeit als Landrat sehr hilfreich! Unvergessen sind natürlich auch die Landesversammlungen – Arbeit und Spaß in sehr ausgewogener Mischung.

Was können wir heute von damals lernen?

Nichts. Es ist die Aufgabe jeder Generation, ihre eigenen Wege zu suchen und zu gehen!

Wieso sollten junge Menschen heute zur JU?

Weil unsere Demokratie vom Engagement der Menschen lebt. Und weil die JU selbstverständlich auch heute die beste und attraktivste politische Jugendorganisation ist.

Was bedeutet Ihnen die JU im Blick auf Ihr politisches und persönliches Leben?

Informieren, Verhandeln, Motivieren, Reden, Organisieren, Moderieren – das sind Dinge, die viele Menschen in Seminaren lernen müssen. JUler können all das von frühster Jugend an praktizieren und üben. Ich bin außerdem dankbar für unzählige Begegnungen und glücklich über Freundschaften, die heute unter uns Ex-JUlern weiterleben. Daher stimmt der Spruch: Einmal JUler, immer JUler – auch wenn es altersmäßig natürlich nicht mehr passt.

Was möchten Sie Ihrer JU mit auf den Weg geben?

Sucht eure eigenen Wege und geht diese mutig und entschlossen!

Herr Landrat, vielen lieben Dank.

(Ludwig Lenzgeiger)