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Aktuell

23/04/2018

„Aufwachen und Stärken“: Dem Christentum im Nahen Osten Hoffnung geben

Augsburg-Land/Augsburg. Über 200 Millionen Christen werden laut Schätzung internationaler Hilfsorganisationen weltweit verfolgt. Damit stellt das Christentum die weltweit am stärksten systematisch unterdrückte Religion dar. Die besonders prekäre Situation der Christen im Nahen Osten thematisierte die Junge Union aus Stadt und Land gemeinsam mit dem EAK Augsburg, der Pan-Europa-Jugend und dem Suryoye Kultur- und Sportverein im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit zahlreichen Fachleuten. Der Appell der Veranstaltung: Das Leiden darf nicht auf Schulterzucken stoßen.


„Das Thema der Christenverfolgung ist für die Junge Union angesichts des schier unvorstellbaren Ausmaßes und der Gräuel, die damit zusammenhängen, viel zu wenig im öffentlichen Bewusstsein verankert. Dafür, dass sich dies ändert, möchten wir etwas tun und wir freuen uns, dass wir dabei die Unterstützung so qualifizierter Referenten aber auch von so vielen Bürgern haben, die heute zur Information und Diskussion gekommen sind.“, führte die Bezirksvorsitzende der Jungen Union Augsburg Ruth Hintersberger die Veranstaltung vor einem voll besetzten Saal ein.

Johannes Hintersberger, Vorsitzender der Augsburger CSU und Landtagsabgeordneter, unterstrich in seinem Eingangsbeitrag wie wichtig es sei, das Thema Christenverfolgung nicht aus den Augen zu verlieren. „Wir erleben eine geradezu unheimliche Stille angesichts der Verbrechen gegen Christen weltweit und ich sehe es als Aufgabe aller Parteien, ja aller politischen Kräfte gleich welcher Couleur an, hierauf ohne Unterlass hinzuweisen“, so der Abgeordnete für den Augsburger Westen. Dabei lobte Hintersberger die Initiative der ungarischen Regierung, die bislang als einziges Land Europas einen eigenen Staatssekretär habe, der sich ausschließlich der Thematik der Christenverfolgung widmet. Hintersberger freue sich deshalb, dass die Bundesregierung mit Markus Grübel einen Beauftragten für weltweite Religionsfreiheit berufe.

Ado Grewe, Referent des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors, konnte die Verfolgungssituation des Christentums im Nahen Osten anhand von Zahlenmaterial und den Untersuchungen des Hilfswerkes verdeutlichen. Er stellte die derzeit angestoßenen und in der Umsetzung begriffenen Hilfsprogramme dar, wie etwa die jüngst an die Vereinten Nationen übergebene Petition mit über 800.000 Unterschriften, die den Schutz der Christen im Nahen Osten einfordert. Grewe formulierte deutlich: „Wir müssen aufwachen und das Christentum stärken. Aufwachen muss dabei heißen, die schreckliche Situation auch als solche zu erkennen. Stärken muss heißen, dass wir die Religionsfreiheit in der internationalen Politik als Kategorie ernst nehmen müssen. Wir müssen den Christen im Nahen Osten Hoffnung geben. Das funktioniert nicht militärisch und nicht finanziell, sondern zu allererst einmal dadurch, dass wir ihre missliche Lage benennen und uns zur Verpflichtung machen.“

Für das Anliegen, die Religionsfreiheit als Menschenrecht zu stärken, sprach sich auch der Augsburger Bundestagsabgeordnete Dr. Volker Ullrich aus. So forderte dieser, in Zukunft ganz gezielt auch Entwicklungspolitik im Hinblick darauf zu machen, ob Religionsfreiheit in einem Land herrsche oder nicht. Darunter sei zu verstehen, dass ein Mensch sich seine Religion frei aussuchen könne und gegebenenfalls auch wechseln könne, ohne benachteiligt, bedroht, gedemütigt, misshandelt oder gar getötet zu werden. „Der Nahe Osten ist das Kernland des Christentums. Damit das so bleibt, dürfen wir weder die Augen vor den Verfolgungen der Vergangenheit wie etwa dem Genozid an den Assyrern noch vor der Verfolgung der Gegenwart verschließen. Es gilt Probleme wie den radikalen und politisierten Islam deutlich zu benennen und im Gegenzug einen toleranten Islam zu unterstützen“, so der Augsburger Abgeordnete.

Simon Jacob, Journalist und Vorsitzender des Zentralrates der Orientalischen Christen in Deutschland, berichtete von seinen zahlreichen Reisen im Nahen Osten, wo dieser sich gezielt in Brennpunktregionen begab und mit Christen ebenso wie mit Muslimen sprach. Die dortigen Probleme seien äußerst vielschichtig und gerade ökonomische Nöte, Globalisierungsdruck und kulturelle Prägungen wie etwas durch Stammeskulturen trieben viele Menschen in die Arme des radikalen Islamismus, so Jacob. „Wenn ich mit muslimischen Jugendlichen im Nahen Osten ins Gespräch komme und sie offen sprechen können, dann wird oft sehr schnell klar, dass dort für sie fehlende Religionsfreiheit ebenfalls ein Problem ist. Viele sehen sich selbst als Atheisten, sind aber selbst dem der Druck von Extremisten ausgeliefert“, so der Autor. Eine Verbesserung der Situation im Nahen Osten verspricht sich Jacob von der Befreiung der Frau und der Stärkung ihrer Rolle, ihr spricht er eine Schlüsselrolle für die Veränderung der Gesellschaft zu. Außerdem gelte es gerade im Hinblick auf die Entwicklungshilfe, intensiv die Korruption zu bekämpfen.

Den Referaten der Podiumsteilnehmer folgte eine Diskussion mit wie auch zwischen den Gästen, die Ludwig Lenzgeiger, Kreisvorsitzender der JU Augsburg-Land, moderierte. Dabei drehten sich die Nachfragen vor allem um die Rolle des Islams bei der Christenverfolgung im Nahen Osten und um die Zukunftsperspektiven des Christentums im Zusammenhang mit unterschiedlichen politischen Konstellationen in der Region.

„Wir haben heute gesehen, dass die Verfolgung der Christen im Nahen Osten aber auch weltweit ein Thema ist, das unbedingt auf die politische Agenda gehört. Nicht nur die Politik darf sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen, sondern auch jeder Einzelne. Alles andere würden wird zweifellos bitterböse bereuen. Die Öffentlichkeit kann und darf nicht länger dabei zusehen, dass über 200 Millionen Menschen tagtäglicher Verfolgung ausgesetzt sind. Gerade Deutschland und Europa haben aufgrund ihrer christlichen Prägung eine ganz besondere Verpflichtung dazu, die verfolgten Christen zu unterstützen und ihnen Hoffnung zu geben“, resümierte Lenzgeiger die Veranstaltung.

Bildunterschrift: Die Gäste der Podiumsdiskussion mit den Veranstaltern: v.l. Ludwig Lenzgeiger, JU KV Augsburg-Land, Simon Jacob, Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland, Dr. Volker Ullrich, MdB, Ado Grewe, Open Doors, Hans-Thomas von Albert, EAK Augsburg

v.r. Benedikt Lika, Stadtrat, Andreas Jäckel, Stadtrat, Ruth Hintersberger, Bezirksvorsitzender JU Augsburg, Alexander Saller, PAN-Europa-Jugend, 6. v.r. David Demir, Vorsitzender von Suryoye Augsburg